PC-Netzteile ohne PFC in Umlauf
Nach dem Kauf mehrerer günstiger ATX-Netzteile für einen Test musste die Redaktion von HWMag feststellen, dass einige Modelle ohne die vorgeschriebene Leistungsfaktorkorrektur (englische Abkürzung: PFC) verkauft werden. Letztere ist durch die Richtlinie EN 61000-3-2 im EU-Raum verpflichtend, wenn das Gerät mehr als 75 W leistet. So soll die Blindleistung gering gehalten werden, was im Interesse der Staaten auch auf Bundesebene durch Gesetze umgesetzt wird. Blindleistung entsteht, wenn die Spannung und der Strom nicht phasengleich verlaufen oder verzerrt werden. Problematisch ist hierbei, dass der Stromversorger die Anlagen unter Berücksichtigung der Scheinleistung (Summe aus Blindleistung und Wirkleistung) dimensionieren muss, was die Kosten erhöht. Das gilt selbstverständlich auch für die Geräte selbst, die stärker belastet werden. Auch wenn die Blindleistung nicht als Verlustleistung umgesetzt werden kann, verursacht die Belastung dennoch höhere Verluste bei der Betriebsleistung. Aufgrund dessen ist mindestens eine passive Leistungsfaktorkorrektur in Form einer PFC-Drossel erforderlich, welche den Stromverlauf glättet. Ist das nicht der Fall, wird der Strom impulsartig aufgenommen und verzerrt die Spannung. Letztere kann dann in die sinusförmigen Grundschwingungen und die sogenannten Oberschwingungen zerlegt werden. Letztere schwingen auf einem Frequenzniveau, das einem ganzzahligen Vielfachen der Netzfrequenz beträgt, auch wenn die Amplituden nicht sonderlich groß und die Schwingungen nicht besonders energiereich sind. Die beiden folgenden PC-Netzteile sind weder mit einer passiven, noch mit der aktiven Variante ausgerüstet, wie die folgenden Bilder zeigen. Wir raten daher dringend von einem Kauf der Modelle Codegen P-Case 460 W und Kiss Quiet KS-420W ab.
Kiss Quiet KS-420W mit gefälschter PFC-Drossel
Codegen P-Case 460W aus dem Gehäuse-Bundle Q3335-A2 ohne PFC
Rasurbo-Netzteil mit korrekter Ausführung gemäß EN 61000-3-2

